Das „Biest“ – Polens Panzer der Zukunft

von Seka Smith

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Der PL-01 ist ein Designkonzept eines zukünftigen polnischen Unterstützungspanzers des Unternehmens OBRUM aus Gleiwitz- Łabędy, welcher in Kooperation mit BAE Systems geplant und konstruiert wurde.

Der Panzer wurde am 2. September 2013 auf der MSPO-Ausstellung in Kielce zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist geplant, dass der PL-01 in den kommenden Jahren die bisherigen Kettenpanzer der polnischen Streitkräfte ersetzt.

Der PL-01 ist mit einem 940 PS-Dieselmotor ausgerüstet. Zusammen mit einer automatischen, hydrokinetischen Kupplung soll der Unterstützungspanzer eine Geschwindigkeit von 70 km/h auf der Straße und 50 km/h im Gelände erreichen. Die maximale Reichweite wird mit 500 km angegeben. Steigungen von bis zu 30° und Hindernisse bis zu einer Breite von 2,6 Metern stellen kein Problem dar. Das Fahrzeug ist bis zu einer Tiefe von 1,5 Meter watfähig. Mit Spezialausrüstung ist es der Besatzung möglich in einer Tiefe von 5 Metern zu fahren.

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Bewaffnung
Die Bewaffnung sitzt auf einem unbemannten Turm und besteht aus einer elektrisch stabilisierten 105 mm oder 120 mm Kampfwagenkanone. Der Autolader hat eine Kapazität von 16 Geschossen. Im Wageninneren können weitere 26 Geschosse transportiert werden. Die Hauptwaffe ist zusätzlich in der Lage, gesteuerte Panzerabwehrraketen abzufeuern. Die Kadenz beträgt sechs Schuss je Minute.

Zur Bewaffnung gehört standardmäßig ein koaxiales UKM-2000C Maschinengewehr im Kaliber 7,62 mm mit einer Kapazität von 1000 Schuss. Zusätzlich kann auf dem Turm ein ferngesteuertes 12,7 mm Maschinengewehr mit 750 Schuss oder ein 40 mm Granatwerfer mit 400 Schuss installiert werden. In der Panzerung des Turms sind auf jeder Seite vier Rauchgranatenwerfer zu finden.

Konstruktion
Die Konstruktion basiert auf der Basis des CV-90. Der Fahrer sitzt im Bug des Fahrzeugs. Der Turm ist unbemannt. Die restliche Besatzung, bestehend aus Kommandant und Richtschütze, ist im hinteren Teil des Panzers untergebracht. Das Heck bietet zusätzlich die Möglichkeit vier weitere Soldaten zu transportieren.

Die Panzerung besteht aus einer modularen Verbundpanzerung. Die Frontpanzerung schützt die Besatzung nach NATO-Standard Stanag 4569 Annex A Level 5+. Zusätzliche Panzerplatten können den Panzerschutz weiter verstärken. Die Wanne ist gegen IED und Minen nach Stanag 4569 Annex B Level 4a und 4b geschützt.

Ausrüstung
Dem Kommandanten und Richtschützen stehen ein 350°-Tag/Nacht-Beobachtungsgerät zur Verfügung, mit dem die Umgebung erfasst werden kann und Objekte automatisch verfolgt werden können.

Eine ABC-Schutzsystem steht standardmäßig zur Verfügung. Die gesamte Besatzung kann sich über ein internes Kommunikationssystem miteinander verständigen. Interne Feuerlöschmittel befinden sich im Wageninneren sowie im unbemannten Turm. Zum Equipment gehört ein aktives Verteidigungssystem, das anfliegende Geschosse erkennt und zerstört. Zur thermischen Maskierung werden die Abgase des PL-01 gekühlt. Zur weiteren Detektionsreduzierung ist die gesamte Panzerung mit einem radarabsorbierenden Material überzogen.

Varianten
Unterstützungspanzer, Kommandopanzer, gepanzerter Bergepanzer, Minenräumpanzer

Codename
PL-01 ist die Bezeichnung des Designpanzers. Nach gegenwärtigen Angaben soll „Gepard“ der offizielle Codename des Panzers werden. In polnischen Blogs wird lieber die Bezeichnung „Das Biest“ verwendet.

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Die Zukunft des PL-01
Zur weiteren Entwicklung des Panzers wird das Konzept an das Nationale Zentrum für Forschung und Entwicklung (Narodowe Centrum Badań i Rozwoju) überführt. Bis 2016 soll dort der erste Prototyp entwickelt und das Serienfahrzeug 2018 vom Band laufen.

Bis zur Fertigstellung des ersten Prototypen sind vom polnischen Verteidigungsministerium 500 Mio. Złoty eingeplant. Die Erfahrung vergangener Militärprojekte von Polens Verbündeten und Nachbarländer zeigt aber, dass solche projektierten Summen nicht ausreichen werden. In Anbetracht der finanziellen Risiken und technologischen Herausforderungen stellt sich die Frage, wieso Polen nicht auf bestehende Panzer zurückgreift und diese in Lizenz baut anstatt eine neue Panzerfamilie zu entwickeln.

Wieso sich Polen aber dennoch für die Entwicklung eines eigenen Panzers entscheidet, hat mehrere Ursachen:

  1. BAE Systems hat bereits bei der Herstellung des CV-90 wertvolle Erfahrungen gemacht, die bei der weiteren Entwicklung des PL-01 eingebracht werden. Das spart Zeit, Geld und minimiert die Risiken bei der weiteren technischen Entwicklung.
  2. Verläuft das Projekt erfolgreich, wird ein polnischer Panzer die Masse an kettengetriebenen Fahrzeugen des Heeres ersetzen, welches bisher auf veraltete Systeme, wie den T-72, PT-91 „Twardy“, Leopard 2A4 und den BMP-1, zurückgreifen muss. Die erfolgreiche Einführung eines eigenen Kampfsystems wäre ein nicht zu unterschätzender Imagegewinn für die polnische Regierung.
  3. Am PL-01 hängt die Hoffnung, dass der zukünftige Unterstützungspanzer auch auf dem Weltmarkt im Bereich gepanzerter Fahrzeuge bis 35 Tonnen platziert werden kann und damit Exporterlöse erwirtschaftet und intensivere Wirtschafts- sowie Militärbeziehungen geknüpft werden können.
  4. Ein weiterer Faktor in der Entscheidungsfindung zugunsten einer Eigenentwicklung ist der Status der polnischen Panzerindustrie, die dringend Aufträge für das weitere, eigenständige, Bestehen benötigt.

Technische Daten im Vergleich

PL-01 CV-90
Land Polen Schweden
Traktion Kette Kette
Besatzung 3 + 4 Soldaten 3 + 8 Soldaten
Antrieb > 940 PS Diesel Diesel mit bis zu 810 PS
Panzerung Modulare Mehrschichtpanzerung aus Keramik-Aramid-Verbundwerkstoff Panzerstahl Schottpanzerung mit adaptierter Verbundpanzerung
Länge 7,00 m 6,55 m
Breite 3,80 m 3,10 m
Höhe 2,80 m 2,70 m
Gewicht 30 t
35 t mit Zusatzpanzerung
23 t (Mk 0)
35 t (Mk III)
Geschwindigkeit 70 km/h (Straße) 70 km/h (Straße)
Reichweite Max. 500 km (Straße) Max. 600 km (Straße)

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Apropos…
…es lohnt sich auch die Diskussion auf der Facebook-Gruppe “Sicherheitspolitik” zu diesem Artikel zu verfolgen:

This entry was posted in Armed Forces, General Knowledge, Seka Smith, Technology.

One Response to Das „Biest“ – Polens Panzer der Zukunft

  1. Arkadius says:

    Servus,
    wie wärs mit anderm Energiekonzept, grundsätzlich!?
    Wasserstoff, Hybrid, Elektro….
    Fusecubs, Wendelstein Greifswald klein, hmmm?
    European Army.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Hojenski.

    ps, Es gibt nur einen Namen für, ANDERST. HA,HA,HA,HA…

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